The Plastic Age
USA 1925
73 Minuten
Regie:
Wesley Ruggles
Mit Clara Bow, Donald Keith, Mary Alden, Henry B. Walthall

Freitag: 26.10.2018 | 20:00 Uhr | Rudolf-Oetker-Halle


Wesley Ruggles: The Plastic Age

Filmmusik: Cinematografisches Orchester mit Axel Goldbeck – Welturaufführung


 

The Plastic Age begründete die Karriere der hinreißenden Clara Bow, dem Publikum des Film+MusikFests seit Mantrap und It bestens vertraut. Sie galt als „hotsy-totsy“, als „Personifizierung des Flappers, schelmisch, hübsch, aggressiv, hitzig und gefühlvoll“, wie die New York Times nach Clara Bows Filmdebüt schwärmte. Die männlichen Kinobesucher verliebten sich reihenweise, den weiblichen Zuschauern schenkte der Film ein völlig neues Ideal: das der emanzipierten, sexuell aktiven Frau, die mit ihrem Charme alle Standesgrenzen wegsprengt und die ganze prüde viktorianische Moral gleich mit.

 

Als erstes It-Girl der Filmgeschichte, faszinierend variationsreich aufspielende Komödiantin und durch ihr turbulentes Privatleben zu frühem Ruhm gekommen, wurde Clara Bow zeitweise zum größten Star der Paramount Studios. Auf dem Höhepunkt ihrer Popularität erhielt sie 45.000 Fan-Briefe pro Monat. Allein im Entstehungsjahr von The Plastic Age spielte sie in 15 Filmen, jedoch gelang ihr der Übergang zum Tonfilm nicht. Das in Brooklyn aufgewachsene Arbeiterkind konnte sich den Slang ihrer Herkunft nie abgewöhnen und fühlte sich auch durch das Mikrophon in ihrer darstellerischen Gestaltung eingeengt. Als ihre wegen Betrugs angezeigte Privatsekretärin mit Verleumdungen der Kategorie, Bow habe binnen einer Nacht das gesamte USC-Footballteam genommen, an die Öffentlichkeit ging, zog sich Clara Bow auf ihre Ranch in Nevada zurück. Sie bekam zwei Kinder, litt unter Schizophrenie und starb 1965 vereinsamt an einer Herzattacke.

 

Als jazz- und sexverrücktes College-Girl mischt sie in diesem Coming-of-Age-Film die Uni-Szene kräftig auf. Sie verliebt sich in einen attraktiven Sportler, der seinerseits den Sport zu vernachlässigen beginnt, was dessen Vater genauso wenig begeistert wie den Freund und Rivalen … Dass zeitgenössische Filmkritiker die College-Atmosphäre als nicht wirklichkeitsgetreu dargestellt empfanden, nehmen wir durchaus billigend in Kauf, erwarten wir doch auch heute von Genre-Komödien wie American Pie keinen aufklärerischen Dokumentarismus.

 

Die flirrende, swingende Atmosphäre der Roaring Twenties auf die Bühne zu bringen, versteht wohl niemand besser als Axel Goldbeck, mit seinem Cinematografischen Orchester vielfach umjubelter Stammgast des Festivals.

Film + MusikFest 2018

The Plastic Age
Panzerkreuzer Potemkin
Four Sons
Juwelen
Safety Last
Der letzte Mann