Four Sons
USA 1928
100 Minuten
Regie:
John Ford
Mit Margaret Mann, James Hall, George Meeker, John Wayne
 

Donnerstag: 01.11.2018 | 20:00 Uhr | Lichtwerk-Kino


John Ford: Four Sons

Am Klavier: Daniel Kothenschulte


 

Der Erste Weltkrieg nicht aus der siegreichen amerikanischen Perspektive – und ein Antikriegsfilm des als Western-Regisseur zur Legende gewordenen John Ford: 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs zeigt das Film+MusikFest diese doppelte Überraschung, die dem Filmkritiker Daniel Kothenschulte zu verdanken ist. In jedem Jahr zückt er seine Carte Blanche und beschert dem Festival eine cineastische Kostbarkeit, die er dann selbst am Klavier begleitet. Dass in Four Sons der junge, noch unbekannte Schauspieler John Wayne erstmals in einem John Ford-Film eine kleine Rolle spielt, ist eine weitere Überraschung – und markiert den Beginn einer jahrzehntelangen Freund- und Partnerschaft der beiden Johns.

 

Four Sons, die Tragödie einer bayerischen Familie, deren Mitglieder im Ersten Weltkrieg auf verschiedenen Seiten kämpfen, ist einer der letzten Stummfilme des vierfachen Oscar-Gewinners John Ford, der zum zum Kassenschlager wurde und den Photoplay Award als bester Film des Jahres gewann. „Zutiefst bewegend“ urteilte das Magazin Variety, er sei „eine Feier von Schönheit und signifikanter Genauigkeit“; für seinen Produzenten William Fox war es dessen größter Film seit zehn Jahren, und auch John Ford bezeichnete Four Sons als „erste wirklich richtig gute Geschichte“, die er je gedreht habe.

 

Die beobachtete „signifikante Genauigkeit“ der Bilder geht nicht zuletzt wohl auf F. W. Murnau zurück, der wie John Ford bei der Fox Film Corporation unter Vertrag stand. Murnau war am Filmset beratend tätig, was die expressionistischen Bilder und die bewegliche Kamera deutlich zeigen. Auch in der subtilen Schauspielerei scheint Murnaus Einfluss auf, agieren die Darsteller doch wesentlich weniger outriert als in anderen zeitgenössischen amerikanischen Produktionen. Dass nicht zuletzt viele Sets aus Murnaus kurz zuvor entstandenem Film Sunrise für Fords Four Sons wiederverwendet wurden, zeigt die immense internationale Bedeutung des Regiestars aus Deutschland.