Der müde Tod
D 1921
Regie: Fritz Lang
Drehbuch: Thea von Harbou, Fritz Lang
Produzent: Erich Pommer
Darsteller:  Lil Dagover, Walter Janssen, Bernhard Goetzke
Länge: 98 Minuten
Der müde Tod

Sonntag 23.10.2016 | 17.00 h | Rudolf-Oetker-Halle


Fritz Lang: Der Müde Tod

Orgelbegleitung: Johannes Vetter


 

Der Müde Tod: Der Tod ist des ewigen Sterbens müde. Nicht länger möchte der Tod Gott dienen, indem er den Menschen das Lebenslicht ausbläst. Einer Frau, die um das Leben ihres Geliebten ringt, gibt er so drei Chancen, ihn zu retten, denn: Die Liebe ist stark wie der Tod (Buch Salomo).

Drei Jahre nach dem Ende des großen Sterbens im Ersten Weltkrieg schuf Fritz Lang seinen achten Film als architektonisch aufwändiges, streng komponiertes, deutsches Volkslied in sechs Versen. Dabei steht deutsche Butzenscheibenromantik des Gasthauses neben expressionistisch-monolithischer Architektur des Amtssitzes des Todes –Filmkulissen, geschaffen von den bedeutendsten Filmarchitekten des Weimarer Kinos, von Hermann Warm, Walter Röhrig und Robert Herlth.

Fritz Lang erzählt die Geschichte in der Tradition des monumentalen Episodenfilms, wie ihn auch Joe May und D. W. Griffith in Hollywood zelebriert hatten – mit einem deutschen, einem orientalischen, einem venezianischen und einem chinesischen Teil. Neben den sämtlich in Babelsberg geschaffenen Filmbauten, wie der 15 m hohen Mauer des Todes, beeindrucken Langs aufwändige Tricktechniken, die, wie die Szene mit dem fliegenden Teppich, zur Inspiration von Raoul Walshs ›Dieb von Bagdad‹ wurden.

Langs Meisterwerk, das 1921 seine Uraufführung in viragierter und getonter Fassung mit einer Orchesterkomposition von Giuseppe Becce hatte, ist nur in schwarzweißer Fassung einer Kopie aus dem MOMA überliefert; seine Filmmusik ist verschollen. Dank der Bertelsmann AG, die bereits die Restaurierung von Langs ›Metropolis‹ unterstützte, konnte die Murnau Stiftung Wiesbaden den zweiten Lang-Film rekonstruieren, der in diesem Jahr bei der Berlinale uraufgeführt wurde. Die Viragierung orientierte sich an den erhaltenen Farbfassungen anderer Filme dieser Zeit, ist also eine dem Original nachempfundene, zeitgenössische Interpretation.

Johannes Vetter, Organist, Kantor, Chorleiter, Spezialist für Synagogalmusik, über den Film: »Der Untertitel des Müden Todsein deutsches Volkslied in sechs Versen – ist für die Filmmusik eine Steilvorlage. Die immer gleiche Geschichte wird in verschiedenen Versionen erzählt. Das Spannungsfeld zwischen Wiederholung und Veränderung antizipiert die Struktur der Musik. Der Tod, der zugleich das Alltäglichste und das Außerordentlichste im menschlichen Dasein verkörpert, ist in der sakralen Aura der Orgel, die auch ihre unheiligen Seiten hat, bestens aufgehoben – vor allem, wenn er müde ist.«

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